attwengernew album flux Markus Binder Testsiegerstraße

Markus Binder schreibt kurze Betrachtungen, bietet Blitzlichter des Alltags, berichtet von Asienreisen mit seiner Kultband Attwenger, findet Zitate, schaut einfach auf die Straße und präsentiert immer wieder einen Blick, den man nicht kannte. Dabei mischt sich alltägliche mit technisierter Sprache. „hätte heute vor 65 millionen jahren dieser meteorit die erde nicht getroffen, es gäbe menschen gar nicht, häuser, brücken, bikinis, und keinem würden wir fehlen oder habt ihr schon jemanden entdeckt, dem wir fehlen würden, raumsonden, ha, habt ihr.“


making of testsiegerstrasse

als mich jörg sundermeier nach einer lesung von max müller in der kapu in linz fragte, ob ich ein buch im verbrecher verlag herausbringen möchte, verneinte ich. denn erstens war mein laptop runtergefallen und derart angeschlagen, dass es mir nicht möglich war, an die texte ranzukommen, die ich im lauf der letzten jahre geschrieben und dort gespeichert hatte, zweitens konnte ich mir zu dem zeitpunkt überhaupt nicht vorstellen, ein buch zu machen, so viele buchstaben, wörter, sätze, nee. ein halbes jahr später legte ich mir einen neuen laptop zu und konnte mir nun wieder einen überblick über die inzwischen rüberkopierten dateien verschaffen. jörg schickte zwischendurch immer wieder mails, um anzufragen, ob und wann denn jetzt mal was bei ihm einlangen würde. ich begann, den computer nach brauchbaren texten durchzusehen, traf eine auswahl von sachen, die für ein buch interessant sein konnten, filterte und reduzierte das vorhandene material, schrieb einiges neu und so entwickelte sich in modulbauweise ein gerüst aus texten, die mir ziemlich unterschiedlich vorgekommen sind: zitate aus büchern, tv, zeitungen und filmen, beobachtungsfragmente, die im zug, im schwimmbad, in der strassenbahn, im flugzeug und sonstwo geschrieben wurden, kurze erzählungen, in denen zb ein lautsprecher, der miese musik von sich gibt, erschossen wird, eine frau in der hafenkneipe zu singen beginnt, die subjektive aufnahme einer tekno-party erfolgt, das urassen ausführlich beschrieben wird, der mann vom amt am ende bumm macht, scheinwerfer auf ärsche leuchten oder der testsieger durch die strasse läuft, die später nach ihm benannt wurde. die kürzeste dieser short stories ist einen punkt lang (fort/sofort), die längste (schuss im bad) sechs seiten. dazu noch berichte von unseren asien-konzerten mit attwenger, die geschichte von der erfindung des taxisurfens, ein zeitungsartikel über filmpulverisierung und ein vortrag bei einem architektursymposium. die kurzen texteinheiten machen das ganze übrigens voll u-bahn-tauglich. jedenfalls, das textesieben und arrangieren dauerte ein weiteres halbes jahr, zu jedem der fünf kapitel, in die mittlerweile alles unterteilt war, suchte ich noch ein bild raus und schickte dann ein manuskript nach berlin, das in etwa so aussah, wie ich mir ein buch vorstellen konnte. wurde dann alles noch in form gebracht und rundgemacht und wieder ein jahr später kommt sie raus jetzt, voilà, die testsiegerstrasse.

markus binder, märz 2005